Blutkobalt: Katumbi warnt vor den Folgen des Minenbetriebs Tenke Fungurume durch CMOC Group Ltd
Die Enthüllungen der Environmental Investigation Agency (EIA) über die Tenke-Fungurume-Mine in der Demokratischen Republik Kongo sind vernichtend. Sie beschreiben einen massiven Gesundheitsskandal, der sich hinter den scheinbar triumphalen Zahlen der globalen Kobaltproduktion verbirgt: Arbeiter, die ungeschützt der Witterung ausgesetzt sind, Familien, die unter Schwefeldioxidwolken leben, Kinder mit Nasenbluten, Bluthusten und Atemnot. Schlimmer noch: Internationale Medienberichte weisen auf einen Anstieg von Totgeburten und sogar Geburtsfehlern hin.
Diese ökologische Katastrophe wird unweigerlich verheerende Folgen für Flora und Fauna haben und das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.
Diese Tragödie ist nicht unvermeidlich. Ich weiß das aus Erfahrung.
Fast zehn Jahre lang, während meiner Amtszeit als Gouverneur von Katanga, wurde die Tenke-Fungurume-Mine vom amerikanischen Unternehmen Freeport McMoRan betrieben. Wir hatten einen einfachen und unumstößlichen Grundsatz aufgestellt: Bergbauaktivitäten durften nicht auf Kosten der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt durchgeführt werden.
Alle sechs Monate führten unabhängige Inspektionen internationaler Organisationen durch, um die Einhaltung der Umweltstandards zu überprüfen. Unternehmen, die diese Regeln nicht beachteten, wurden umgehend sanktioniert oder sogar stillgelegt. Diese Disziplin war nicht nur ein leeres Versprechen, sondern wurde konsequent durchgesetzt.
Dank dieser entscheidenden Maßnahme blieb die Bevölkerung von Katanga von den Folgen industrieller Umweltverschmutzung verschont, wie sie heute angeprangert wird.
Was heute in Tenke Fungurume im Hinblick auf die Einhaltung der Umweltstandards geschieht, ist eine neue und äußerst gesundheitsschädliche Praxis für die lokale Bevölkerung. Die Mine produziert mehr, die Gewinne steigen, doch die Menschen atmen nun schwefelhaltige Luft ein.
Dies ist kein rein lokaler Skandal. Was in Tenke Fungurume geschieht, betrifft die ganze Welt und sollte uns alle beunruhigen.
Das aus kongolesischen Böden gewonnene Kobalt treibt die globale Energiewende an. Es findet sich in den Batterien von Elektroautos, Handys und Energiespeichersystemen, die zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Doch eine Energiewende, die auf der Vergiftung afrikanischer Bevölkerungsgruppen beruht, ist keine ökologische Wende. Sie ist eine globale Ungerechtigkeit und Heuchelei.
Nennen wir die Dinge beim Namen: Was in Tenke Fungurume geschieht, ist kein Zufall. Es ist ein System. Ein System, in dem die strategischen Mineralien des 21. Jahrhunderts auf Kosten der Menschen, die in diesem Land leben, abgebaut werden.
Wenn ein Unternehmen seine Kapazitäten erweitert, ohne die Sicherheit der Arbeiter oder die Gesundheit der Anwohner zu gewährleisten, handelt es sich nicht mehr um eine Investition, sondern um Vergiftung durch industrielle Ausbeutung. Sollten wir unter diesen makabren Umständen nicht auch über Blutkobalt sprechen?
Wenn der Staat gleichgültig ist, zögert oder schweigt, ist das keine Fahrlässigkeit mehr, sondern Mittäterschaft.
In Tenke wurden die Schwefeldioxidwerte der Weltgesundheitsorganisation überschritten. Die Emissionsspitzen im Zusammenhang mit der neuen Schwefelsäureanlage haben zu kollektiven Beschwerden der Bevölkerung geführt. Und dennoch wird weiter produziert. Die Gewinne fließen weiter. Nur die Lungen von Kindern leiden darunter.
Der internationalen Gemeinschaft muss eine einfache Frage gestellt werden: Kann die globale Energiewende auf solch eklatanter Umweltungerechtigkeit beruhen?
Die Verantwortung ist geteilt
Sie betrifft Bergbauunternehmen, die internationale Standards einhalten müssen.
Sie betrifft Regierungen, die ihre Bürger schützen müssen.
Sie betrifft auch große Wirtschaftsmächte und multinationale Konzerne, die von diesen strategischen Ressourcen profitieren und dabei die Bedingungen ihrer Gewinnung ignorieren.
Angesichts dieser Situation sind sofortige Maßnahmen unerlässlich:
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Die vollständige und transparente Veröffentlichung von Daten zur Luftqualität und zu Industrieemissionen in Tenke Fungurume;
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die Einsetzung einer unabhängigen Untersuchungskommission mit internationalen Medizin- und Umweltexperten;
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die sofortige medizinische Versorgung der betroffenen Arbeiter und Gemeinden;
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die Aussetzung aller industriellen Erweiterungen, bis Gesundheit und Sicherheit gewährleistet sind;
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die Einleitung rechtlicher Schritte gegen alle, die durch Handeln oder Schweigen zu dieser Tragödie beigetragen haben.
Dem Kongo mangelt es nicht an Kobalt für eine Energiewende. Was fehlt, ist eine Regierung, die ihre Bevölkerung schützt. Katanga wird heute nicht nur ausgebeutet, sondern seine Bevölkerung wird im Stich gelassen und sogar dem Tod überlassen. Die Welt spricht viel über die ökologische Transformation. Sie braucht aber auch den Mut, dafür zu sorgen, dass diese Transformation für alle Menschen gerecht verläuft. Eine einfache, aber beunruhigende Wahrheit muss ausgesprochen werden: Keine elektrische Batterie in Europa, China oder Amerika ist das Blut oder das Leben eines Kongolesen wert (Moïse Katumbi via https://leregard.info)